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Kate Dreyer, Bremerskamp, zerstört im Krieg

Geschichte von Steenbek-Projensdorf


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Etwa in der Zeit um 1750 fand sich zwischen den Dörfern Wik (am Ufer beim heutigen Tirpitzhafen) und Suchsdorf (am alten Dorfteich nahe dem Bahndamm der Bahn Kiel-Hbf. - Eckernförde) außer Feldern und Weiden nichts an Gebäuden irgendwelcher Art. Lange Zeit wagte es nämlich niemand aus den Dörfern am schmalen Weg, der die Wik mit Suchsdorf verband, dort zu siedeln. Zu groß war - berechtigterweise - die Angst vor Überfällen durch herumziehende Banden. Polizei in dem heutigen Sinne gab es hier nicht, und das Militär war - außer zu Zeiten des Kieler Umschlages - weit entfernt. Und selbst zum Termin des bedeutenden Geldmarktes konzentrierte sich der Schutz bewaffneter Macht auf die großen Chausseen. Weiterhin herrschte Leibeigenschaft, d.h. die Bauern konnten ihren Wohnsitz nicht frei bestimmen und schon gar nicht eigene Höfe anlegen, kaufen oder verkaufen. Dies änderte sich  erst 1768, als die Leibeigenschaft Schritt für Schritt aufgehoben wurde. Im Zuge dieser Maßnahme zogen acht Kätner aus der Wik, in der erst 30 Jahre später als im Gut Projensdorf die Leibeigeschaft aufhörte, zu den Steenbeker Höhen um den Kürberg herum und legten eigene Höfe an. In diesem Gebiet - dies zur besseren Orientierung - steht  heute das Edo-Osterloh-Haus. Es handelte sich um  Flurstücke  südlich des eigentlichen Hoflandes von Gut Projensdorf. Der so entstandene neue Wiker Ortsteil Steenbek war besonders vorteilhaft für die neuen Siedler durch die Treidelarbeit auf dem gerade  erbauten Schleswig-Holsteinischen Kanal, der Holtenau mit der Eider und damit mit der Nordsee verband (Bilder von den beiden Kanälen zwischen Ostsee und Nordsee).

Kurz nach der preußischen Annexion der Herzogtümer Schleswig und Holstein im Jahre 1867 wurde die Landgemeinde (seit 1876) Wik nach Kiel eingemeindet. Damit beginnt für die Wik sowie für Steenbek mit Teilen Projensdorfs die Geschichte als Kieler Stadtteil(e). Zwei Jahre waren die Wiker und Steenbeker Kieler Bürger, als der Kaiser-Wilhelm-Kanal eingeweiht wurde und - im Gegensatz zu seinem Kanalvorgänger - das Gutsland in zwei Teile teilte. 1896 kaufte die Stadt Kiel diese Land und schlug es 1909 dem jungen Stadtteil Wik(-Steenbek) zu. Diesen Bereich nennt man noch heute nach einer markanten Höhe "Tannenberg". Die Grenze zwischen Steenbek und dem abgetrennten Gutsland Projensdorfs liegt genau am Eingang zum Tiergehege neben der "Waldschänke" und wurde früher durch einen großen Findling mit der Aufschrift "Projensdorf" markiert.

Projensdörper Krog (heute Waldschänke), 20er Jahre

Als nach dem 1. Weltkrieg ein großer Mangel an Wohnraum entstand, wurde in Steenbek und in Tanneberg (Projensdorf) überwiegend genossenschaftlich gesiedelt: Siedlungshäuser für Familien. Die Häuser hatten einen großen Garten für Gemüse- und Obstanbau, dazu Schweine- und Hühnertställe. heute sind viele dieser Häuser noch immer im Besitz der Erwerberfamilien, meist in der 2. oder 3. Generation.

In den 60er Jahren führte man die Besiedlung Steenbek-Projensdorfs im großen Maßstab entlang  des Steenbeker Weges durch. Hier entstanden rund 200 Jahre vorher  die ersten Siedlungen Steenbeks. Im                                            Karte Suchsdorf-Steenbek-Wik 20er Jahre
Laufe der 70er und 80er Jahre erhielt der heutige
Stadtteil immer mehr einen großstädtischen Anstrich. Ein Einkaufszentrum mit Post, Bank, Restaurants sowie Alten- und Studentenwohnheim, Kirchen und Gymnasium (Ernst-Barlach-Gymnasium) entstanden.

Eine der herausragendsten Neubauten in Steenbek war dabei im Jahre 1984 die Lubinus Klinik, die heute zu einer umfangreichen medizinischen Kooperation heraungewachsen ist. Die Klinik ist alterwürdigen Einrichtung, die in Kiel - fast - jedermann kennt und vorher ihren Sitz in der Brunswiker Straße hatte. Mittlerweile ist die 4. Generation der Familie Lubinus in der orthopädischen Spezialklinik tätig. Rund um ihren Kern gruppierten sich im Laufe der Jahre weitere ärztliche Fachrichtungen wie orthopädische Rheumatologie, Schmerztherapie, Gefäßchirurgie sowie ein ambulantes Operationszentrum. 1999 wurde das Kooperationszentrum als Anbau des Klinikgebäudes  eröffnet. Hier findet der Patient 8 Fachärzte in 5 Praxen, eine Zahnärztin, das ambulante "REHA - Zentrum Kiel", eine Praxis für Krankengymnastik sowie eine Apotheke . Der Versuch, eine Cafeteria für die wartenden Patienten zu betreiben, war leider nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt.

Die in Form einer Stadtautobahn für die Olympischen Segelwettbewerbe 1972  neu gebaute B 503 schnitt Steenbek und Projensdorf von der Wik ab. 22 Jahre später wurde daher Steenbek-Projensdorf als eigenständiger Stadtteil mit der Nr. 4 gegründet. Ein Ortsbeirat vertritt die Interessen der Bürger im Rahmen der Verwaltung der Landeshauptstadt Kiel.